Warum wir Ökosysteme mit Biodiversität brauchen

Menschen sind in großem Ausmaß von der biologischen Vielfalt der Erde abhängig. Dennoch zerstören wir durch unsere Lebens- und Wirtschaftsweise zahlreiche Ökosysteme und sorgen für die Vernichtung der Artenvielfalt. Wir möchten dir heute zeigen, warum der Erhalt der biologischen Vielfalt und die Instandhaltung von Ökosystemen so entscheidend für unsere und die Zukunft aller Lebewesen ist.

In seinem Global Risk Report 2020 nennt das Weltwirtschaftsforum den Verlust der biologischen Vielfalt und den Zusammenbruch von Ökosystemen als eine der fünf größten Bedrohungen für die Menschheit in den nächsten zehn Jahren. Doch durch unseren Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen, zerstören wir Menschen zunehmend die Lebensgrundlage zahlreicher Lebewesen. Wenn wir unser Verhalten nicht ändern, werden wir in den nächsten Jahrzehnten daher 1 Millionen Arten verlieren.

Was ist Biodiversität und warum brauchen wir sie?

„An ecosystem is the embodiment of reciprocity. It consists of a multitude of beings related in endless ways. Ecological life is always lived in relationships with others.” – Andreas Weber

Biodiversität ist die Vielfalt aller lebenden Arten, die in einem Lebensraum vorkommen und die natürliche Welt ausmachen. Dabei besitzt jede Art innerhalb eines Ökosystems ihre inhärente Rolle bei der Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts.

Biologische Vielfalt ist daher von entscheidender Bedeutung für gesunde Ökosysteme, von denen wir Menschen abhängen. Denn die Biodiversität versorgt uns sowohl mit direkten Leistungen und sorgt auch dafür, dass die lebenserhaltenden Ökosystemleistungen in Stand gehalten werden. Zu diesen Leistungen gehören beispielsweise der Zugang zu sauberer Luft und sauberem Wasser, die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Pflanzenbestäubung, Kohlenstoffspeicherung, Klimaregulierung, Abfallzersetzung, Hochwasserschutz und vieles mehr. Ohne Biodiversität wären daher zahlreiche natürliche Prozesse, die das Leben auf der Erde ermöglichen stark gefährdet.

Gefahren für die Biodiversität

Doch die biologische Vielfalt und die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts sind in großer Gefahr. Seit den 1970er Jahren schreitet der Verlust der Artenvielfalt in einer alarmierenden Schnelligkeit voran. Die Menschheit hat bereits 83% aller wildlebenden Säugetiere und die Hälfte der Pflanzen vernichtet. Die United Nations haben die fünf gravierendsten Ursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt zusammengefasst:

1. Veränderungen bei der Nutzung von Land und Gewässern

Die Veränderungen bei der Nutzung von Land und Gewässern hat zum Verlust von über 85% der Feuchtgebiete geführt, 75% der Landoberfläche verändert und 66% der Meeresfläche beeinträchtigt. Die Länder und Gewässer dieser Erde enthalten viele komplexe Ökosysteme. Die größte Gefährdung für die Artenvielfalt liegt daher in der Zerstörung von natürlichen Ökosystemen auf Land oder in Gewässern. Durch die meisten Landnutzungsformen der Menschen, wie beispielsweise industrielle Landwirtschaft oder die Abholzung von Wäldern für die Viehwirtschaft, wird der Lebensraum von zahlreichen Arten zerstört. Denn wildes Leben kann in degradierten, ausgebeuteten Gebieten nicht stattfinden, sondern braucht intakte Ökosysteme zum Überleben.

2. Übermäßige Ausbeutung

Menschliche Aktivitäten wie Fischfang, Abholzung und die Extraktion natürlicher Ressourcen schädigen dem ökologischen Gleichgewicht. Vor allem wenn sie im Übermaß und nicht nachhaltig stattfinden, zerstören sie Lebensraum und sorgen für die Vernichtung zahlreicher Arten. Wenn beispielsweise zu viele Fische gefangen werden, kann die gesamte Nahrungskette und somit ganze Ökosysteme kollabieren und die Ausrottung von zahlreichen Arten bewirkt werden. Derzeit sind 70% der Fischbestände in den Ozeanen überfischt. Wenn das so weitergeht, könnten sämtliche Fischbestände in den Ozeanen bis 2050 aussterben.

3. Klimawandel

Außerdem wird durch den Ausstoß großer Mengen an CO2 und den daraus resultierenden Klimawandel das Gleichgewicht der Ökosysteme der Erde gestört und alles Leben darin bedroht. Die globale Erderwärmung führt unter anderem zu extremeren Wettervorkommnissen, wärmeren Ozeanen und veränderten natürlichen Prozessen in Ökosystemen. Verändern sich die Bedingungen der Ökosysteme, verändert sich zugleich der Lebensraum zahlreicher Spezies. An diese Veränderungen können sich viele Arten jedoch nicht anpassen und sind daher in ihrer Existenz bedroht.

4. Verschmutzung

Die Verschmutzung von Luft, Land, Böden und Meeren stellt ebenfalls eine große Bedrohung für zahlreiche Lebewesen dar. Wie du in unserem Artikel zur Plastikverschmutzung noch detaillierter nachlesen kannst, ist Plastik im Meer, dass von marinen Lebewesen aufgenommen wird, lebensbedrohlich. Zahlreiche Tiere sind an den Folgen der Plastikaufnahme schon gestorben. Außerdem gelangen industrielle Giftstoffe ebenfalls in Gewässer, Böden und verseuchen ganze Ökosysteme, wodurch der Lebensraum vieler Arten zerstört wurde.

5. Invasive Arten

Invasive Arten sind Organismen, die in Lebensräume eingeführt werden, wo sie andere Arten verdrängen. Infolge des globalen Handels werden diese invasiven Arten oft in neue Ökosysteme gebracht, wo sie möglicherweise keine Fressfeinde haben und sich daher beliebig ausbreiten können, und andere Spezies verdrängen. Eine weitere Gefahr, die von diesen invasiven Arten ausgeht, ist, dass durch sie häufig lokale Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten und sie gefährliche Krankheiten mit sich bringen können.

Fazit

Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, die Zerstörung von Lebensräumen, die Verschmutzung und der Klimawandel sind ernsthafte Bedrohungen für die Biodiversität.

Es ist nicht zu übersehen, dass wir Menschen für all diese Bedrohungen verantwortlich sind. Der Verlust der biologischen Vielfalt auf unserem Planeten ist jetzt schon enorm. Doch obwohl wir so sehr von der Artenvielfalt und intakten Ökosystemen abhängig sind, zerstören wir diese weiterhin ohne Rücksicht der Konsequenzen.

Es braucht daher einen umgehenden gesellschaftlichen Wandel, um unsere derzeitigen zerstörerischen Verhaltensweisen zu stoppen. Anstelle des gegenwärtigen anthropozentrischen Weltbildes, das den Menschen als überlegene Spezies ansieht, die sich ohne Rücksicht auf andere Lebewesen unendlich an natürlichen Ressourcen bereichern kann, sollte ein Weltbild treten, dass den Menschen als Teil der Natur versteht. Der Ökozentrismus bietet ein solches Weltbild, welches der gesamten menschlichen und nichtmenschlichen Natur den gleichen Wert beimisst und den Wert der biologischen Vielfalt gegenüber dem Wert einer einzelnen Art anerkennt. Denn der Ökozentrismus sieht den größten Nutzen, den der Mensch aus der Erde ziehen kann, darin, harmonisch mit ihr zu leben, da wir nur ein Teil des großen Ganzen sind.

Literaturverzeichnis

IPCC (2018). Annex I: Glossary. https://www.ipcc.ch/sr15/chapter/glossary/

WEF (2020). The Global Risks Report 2020. https://www3.weforum.org/docs/WEF_Global_Risk_Report_2020.pdf

Berrisford (2021). 5 Main Threat to Biodiversity. https://nbs.net/5-main-threats-to-biodiversity/