Plastic, not so fantastic

Was passiert eigentlich mit unserem Plastikmüll, nachdem wir ihn entsorgt haben? Die schlechten Nachrichten: wir haben ein Plastikproblem und es schadet der Umwelt, treibt den Klimawandel voran und gefährdet Tiere und Menschen. Die guten Nachrichten: wir haben heute 12 Tipps für dich, wie du Plastik in deinem Alltag vermeiden kannst.

Über 300 Millionen Tonnen Plastik werden jährlich für diverse Anwendungszwecke produziert, wobei die Hälfte dieser Menge Einwegartikel ausmacht, die nach einmaligem Gebrauch wieder weggeschmissen werden. Doch wenn Plastik entsorgt wird, leidet die Umwelt darunter. Denn Plastik ist biologisch kaum abbaubar und trägt somit zur Umweltverschmutzung bei. 14 Prozent des Plastikmülls wird verbrannt, wobei große Mengen an Kohlendioxid und Methan in die Atmosphäre freigesetzt werden, was zu steigenden Emissionen und somit zum Klimawandel beiträgt. Häufig wird Plastik auch unsachgemäß entsorgt und schlichtweg in die Umwelt geworfen. Plastik, welches in der Umwelt landet, hat allerdings fatale Auswirkungen auf Ökosysteme, Menschen und Tiere.

Schadstoffe

Bei einer Plastikflasche dauert es beispielsweise circa 450 Jahre, bis die Natur sie zersetzt hat. Während ihrer Zersetzung, gibt die Plastikflasche chemische Schadstoffe und Mikroplastik durch den Boden in unser Grundwasser ab. Diese Verunreinigung stellt nicht nur für Pflanzen und Tiere, sondern auch eine große Gefahr für Menschen dar. Denn die Chemikalien bleiben dem Ökosystem auch nach der Zersetzung des Abfalls erhalten und landen durch das Grundwasser wieder in unseren eigenen Mägen. So beinhalten beispielsweise PET-Plastikflaschen den Stoff Acetaldehyd, der erwiesenermaßen krebserregend ist.

Mikroplastik

Ein weiteres großes Problem, ist das jährlich circa 14 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Ozeane gelangen. Wenn Plastik in die Meere gelangt, zersetzt es sich in immer kleinere Teile, das sogenannte Mikroplastik. Diese winzigen Plastikpartikel sind fünf Millimeter oder kleiner und werden durch Müllablagerungen sowie durch unser Abwasser und Abfallprodukte aus der Fischereiindustrie in die Meere freigesetzt. Mikroplastik hat verschiedene Auswirkungen auf die Meeresökosysteme und auf die menschliche Gesundheit. Erstens ist Mikroplastik so winzig, dass viele Meerestiere es versehentlich verschlucken. Dadurch werden sie nicht nur geschädigt und getötet, sondern Mikroplastik gelangt durch den Verzehr von Meerestieren auch in den menschlichen Körper. Außerdem wurde Mikroplastik auch im Leitungswasser nachgewiesen, da die winzigen Partikel in unser Grundwasser gelangen und Trinkwasseraufbereitungsanlagen passieren können. Auch wenn es noch nicht ausreichend Forschung über die Effekte von Mikroplastik in menschlichen Körpern gibt, ist es bereits nachgewiesen, dass die kleinen Plastikartikel durch unser Blut zirkulieren und das Risiko von Krebs, Fibrose und anderen Krankheiten erhöhen.  

Treibhausgase

Die Plastikverschmutzung bedroht aber nicht nur die Gesundheit von Menschen und Tieren, sondern trägt auch zum Klimawandel bei. 2019 hat die Produktion von Plastik mehr als 850 Millionen metrische Tonnen Treibhausgase in die Atmosphäre freigesetzt, was einem Äquivalent von 89 Kohlekraftwerken entspricht. Außerdem hemmt Mikroplastik im Meer das Wachstum von Blaualgen und Phytoplankton, die auf natürliche Weise CO2 binden. Außerdem werden bei der Zersetzung von Plastik die Treibhausgase Methan und Ethylen freigesetzt. Durch die Freisetzung von mehr Treibhausgasen in die Atmosphäre trägt Plastik daher zum Klimawandel und zur Erderwärmung bei. Darüber hinaus führen erhöhte Treibhausgase in der Atmosphäre, die von Meer wieder aufgenommen werden, auch zu einer Versauerung der Meere, was ebenfalls in steigenden Temperaturen resultiert.

Schlechte Wiederverwendbarkeit

Doch man kann Plastik immerhin recyclen oder nicht? Grundsätzlich kann Verpackungsmüll recycelt werden, insofern er sachgemäß entsorgt wird. Problematisch ist allerdings, dass Plastik oft aus zahlreichen unterschiedlichen Kunststoffarten besteht, doch nur sortenreine Kunststoffe können einwandfrei recycelt werden. Nur circa fünf Prozent des Plastikmülls kann in Sortieranlagen wieder zu recycelt werden. Doch viele Unternehmen nutzen dennoch nach wie vor Plastik für ihre Produkte und Verpackungen und entnehmen sich ihrer Verantwortung für die Umwelt. Daher ist der beste Weg, als Individuum die negativen Folgen der Plastikverschmutzung zu vermeiden, auf Plastik zu vermeiden, wo es geht und nachhaltigere Alternativen zu wählen.

12 Tipps, um Plastik zu vermeiden

Natürlich ist es nicht einfach von heute auf morgen komplett auf Plastik zu verzichten. Doch mit diesen Tipps kannst du immerhin schon Plastik einsparen und deinen Alltag nachhaltiger gestalten.

#1 Bringe deine eigene wiederverwendbare Lunchbox oder Kaffeetasse mit

Wenn du dir Take-Away oder einen Kaffee to-go bestellst, nehme deine eigene wiederverwendbare Lunchbox oder Kaffetasse mit. So sparst du unnötigen Verpackungsmüll ein.

#2 Verzichte auf Einweggeschirr

Bringe bei deinem nächsten Picknick wiederverwendbares Geschirr von zuhause mit, anstatt Einweggeschirr zu nutzen.

#3 Bringe deine eigene Tasche mit, anstatt Plastiktüten zum Einkaufen zu verwenden

Spare Geld und Plastik, indem du deine eigene Einkaufstasche mit zum Einkaufen nimmst, anstatt dir eine Plastiktüte im Supermarkt zu kaufen.

#4 Bringe deine eigene wiederverwendbare Wasserflasche mit

Plastikflaschen lassen sich einfach vermeiden, indem du deine eigene Wasserflasche auch für unterwegs mitnimmst. Es gibt mittlerweile in vielen Städten kostenlose Leitungswasserspender oder du kannst deine Flasche in Restaurants, Bars oder Cafés auffüllen.

#5 Nutze Seife am Stück, statt Seife aus der Plastikflasche

Um im Bad Plastik einzusparen, kannst du statt Flüssigseife aus Plastikflaschen ganz einfach zu Seife am Stück, die keinen großen Verpackungsmüll produziert, greifen.

#6 Wechsel von einer Plastikzahnbürste zu einer Bambus Zahnbürste

Es gibt mittlerweile zahlreiche nachhaltige Zahnbürsten ohne Plastik wie beispielsweise Holz- oder Bambuszahnbürsten. Wenn man bedenkt, dass man die Zahnbürste alle 3 Monate wechseln sollte und somit einiges an Müll anfällt, ist es sinnvoll, eine umweltfreundlichere Variante zu nutzen.

#7 Verwende leere Einmachgläser wieder

Spare dir den Weg zum Altglas Container und verwende alte Einmachgläser wieder. Du kannst sie wunderbar zur Aufbewahrung von Überresten, zur Lebensmittellagerung oder als Glas benutzen.

#8 Nutze Menstruationsprodukte ohne Plastik

An alle Frauen, die den Plastik-Müll von Menstruationsprodukten satt sind: Es gibt mittlerweile zahlreiche nachhaltige plastikfreie Alternativen! Dazu gehören beispielsweise waschbare Binden aus Baumwolle, wiederverwendbare Menstruationstassen oder Periodenunterwäsche.

#9 Achte bei Pflegeprodukten darauf, dass sie keinen Mikroplastik enthalten

Leider ist bei vielen Duschgels oder Peelings Mikroplastik enthalten. Um Mikroplastik zu vermeiden, kannst du mit der CodeCheck App Produkte scannen, und erkennen, ob sie das umweltschädliche Mikroplastik enthalten.

#10 Kaufe Gemüse ohne Plastikverpackung

Plastikverpackungen für Gemüse sind wirklich überflüssig. Tue der Umwelt den Gefallen und kaufe Gemüse ohne Plastikverpackung. Das findest du meistens in Bio-Supermärkten oder auf Wochenmärkten.

#11 Kaufe bei Unverpackt Läden ein

Unverpackt Läden ermöglichen Einkaufen ohne Plastik. Du bringst einfach deine eigenen Aufbewahrungsbehälter zum Einkaufen mit und kannst damit Plastikverpackungen vermeiden.

#12 Nimm an Cleanup Aktionen teil

Viele Organisationen bieten außerdem Müllsammelaktionen an, um den Plastikmüll aus der Natur zu beseitigen. Durch die Beteiligung an solchen Aktionen oder Eigeninitiative, lässt sich die Plastikverschmutzung vor der eigenen Haustür reduzieren.

Um die negativen Effekte von Plastikmüll zu vermeiden, steht Suffizienz, also ein geringerer Verbrauch von umweltschädlichen Ressourcen wie in diesem Fall Plastik, im Vordergrund. Der eigene bewusste Konsum und ein rücksichtsvolles Verhalten sind die Grundlage, um der Natur nicht zu schaden und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Doch natürlich ist auch ein systemischer Wandel in Richtung mehr Umwelt- und Klimaschutz dringend von Nöten. Es braucht Unternehmen die Verantwortung übernehmen und statt Plastik, nachhaltigere und recyclebare Alternativen für ihre Produkte verwenden.

Literaturverzeichnis

IUCN (2021). Marine plastic pollution. https://www.iucn.org/resources/issues-briefs/marine-plastic-pollution

CareElite (2018). Kunststoff Recycling – So läuft Plastikmüll Recycling. https://www.careelite.de/kunststoff-recycling/

Krieger (2018). Plastikmüll im Meer verursacht Treibhausgase. https://www.deutschlandfunk.de/klimawandel-plastikmuell-im-meer-verursacht-treibhausgase-100.html