Internationaler Tag der indigenen Völker

Anlässlich des Tages der indigenen Völker wollen wir thematisieren, inwiefern indigene Völker einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leisten und was wir von ihnen lernen können.

Es gibt über 467 Millionen indigene Menschen weltweit, die in 90 verschiedenen Ländern leben. Doch was zeichnet indigene Menschen eigentlich aus? Wie sieht ihre Kultur aus und wie leben sie?

Naturschutz als Lebensprinzip

Indigene Völker sind Bevölkerungsgruppen, die die Nachkommen der Ureinwohner:innen eines bestimmten räumlichen Territoriums sind, welche bereits vor der Kolonialisierung durch Fremde dieses Territorium bewohnten. Sie zeichnen sich daher auch durch eine besondere Verbundenheit zu diesem Lebensraum aus, was sich häufig auch in ihren soziopolitischen und kulturellen Traditionen äußert. Auch wenn es nicht auf alle Nachkommen und Zugehörige indigener Völker zutrifft, ordnen sich viele indigenen Völker selbst nicht zur Mehrheitsgesellschaft zu, sondern empfinden sich eher durch diese marginalisiert und diskriminiert. Daher haben sich mehr als hundert indigene Gruppen weltweit dafür entschieden in freiwilliger Isolation zu leben. Sie leben abgeschottet von der Zivilisation und bewohnen selbstgebaute Hütten in Wäldern anstatt Häusern in Städten. Diese isolierten Bevölkerungsgruppen leben häufig in den Regenwäldern Perus oder Brasiliens und führen noch den traditionellen Lebensstil ihrer Vorfahren.  

Die traditionellen indigenen Völker zeichnen sich durch ein umfassendes Wissen über die Natur, in der sie leben aus. Im Zentrum steht nicht die Ausbeutung der Erde und ihrer Ressourcen, sondern eine friedliche Koexistenz von Menschen und Natur sowie ein nachhaltiger Umgang mit ihren Ressourcen. Die Verpflegung mit Nahrung ist gekennzeichnet durch ein hohes Maß an autarker Versorgung, dadurch dass sie sämtliche lebensnotwendigen Ressourcen aus der Natur beziehen. Kennzeichnend ist auch, dass die indigenen Völker das Territorium, in dem sie ansässig sind, zwar als ihren Lebensraum nicht aber als ihr Eigentum betrachten. Die Territorien indigener Völker umfassen 11% der weltweiten Wälder, wodurch sie als Beschützer von nahezu 80% der weltweit verbleibenden Artenvielfalt gelten. Durch den Schutz der Wälder, sichern sie auch wesentliche Kohlenstoffspeicher, die ansonsten abgeholzt würden und den Klimawandel vorantreiben würden.

Die prekäre Situation der indigenen Völker

Leider ist der Lebensraum vieler traditionell lebenden indigenen Völker seit Jahrzehnten durch die wirtschaftliche Ausbeutung von Ressourcen beispielsweise durch die Holz- und fossile Brennstoffindustrie gefährdet. Werden sie ihres Landes und Lebensraums entraubt, bedeutet das für die dort ansässigen indigenen Menschen nicht nur ein Verlust ihrer ökonomischen Grundlage, sondern auch ihrer kulturellen Identität und traditionellen Lebensweise. Zusätzlich zur Naturzerstörung führt diese Ausbeutung auch zu ihrer Vertreibung. Da indigene Völker mehr als 19% der extrem armen Weltbevölkerung ausmachen und sich ihre Lebensweise stark von modernen industrialisierten Gesellschaften unterscheidet, ist es häufig sehr schwierig für sie nach einer Vertreibung ein neues Leben zu beginnen.

Daher kämpfen Menschenrechtsverfechter, Naturschützer und indigene Menschen bereits jahrzehntelang für die Rechte indigener Völker. Doch die Gewalt gegen indigene Völker, die mit der Kolonialisierung begann und sich immer noch in der Zerstörung und Ausbeutung ihres Landes zeigt, hört dort nicht auf. Häufig werden indigene Aktivist:innen umgebracht, um sie zum Schweigen zu bringen und damit wirtschaftliche Interessen weiterhin ungestört verfolgt werden können. Diese Ungerechtigkeiten und Gewalttaten dürfen allein aus Menschenrechtsgründen nicht fortbestehen. Die Landesrechte und Menschenrechte der indigenen Völker müssen legal anerkannt und beschützt werden, um ihnen menschenwürdige Verhältnisse zu garantieren. Glücklicherweise gab es diesbezüglich schon Fortschritte und internationale Organisationen wie die United Nations haben spezielle Maßnahmen ergriffen, um indigenen Völkern ihre Rechte zu gewährleisten. So findet auch jährlich am heutigen Tag der Internationale Tag der indigenen Völker statt, um die Probleme, mit denen sie konfrontiert sind zu adressieren mit dem Ziel sie besser zu schützen.

Darüber hinaus bedeutet der Schutz indigener Völker auch die Bewahrung von wertvollem, uralten Wissen über die Natur und die Instandhaltung von gefährdeten Ökosystemen. Angesichts des voranschreitenden Klimawandels ist dieses Wissen um eine nachhaltige Umgangsweise mit der Natur und ihren Ressourcen wertvoller denn je. Ihre Lebensweise bietet nicht nur einen Gegenpol zur Funktionsweise moderner kapitalistischer Zivilisationen, sondern zeigt auch, dass eine harmonische Koexistenz mit der Natur und ein nachhaltiger Umgang mit ihren Ressourcen möglich ist. Das heißt selbstverständlich nicht, dass wir alle so wie indigene Völker leben müssen, um die Natur zu schützen. Doch indem wir den Stimmen indigener Menschen mehr zuzuhören, können wir wichtige Einblicke über Natur- und Klimaschutz bekommen und unsere Lebensweise nachhaltiger gestalten.

Literaturverzeichnis

United Nations (2021). International Day of the World’s Indigenous Peoples. https://www.un.org/en/observances/indigenous-day

Food and Agriculture Organization of the United Nations (2021). Indigenous Peoples. https://www.fao.org/indigenous-peoples/en/